Der Zigeuner-Boxer

Der Zigeuner-Boxer

5. & 6. November um 20 Uhr

Der sinto-deutsche „Zigeuner-Boxer“ Johann „Rukeli“ Trollmann, auf dessen Biografie Rike Reinigers Monolog basiert, gewann 1933 die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht, doch einige Tage später wurde ihm der Titel vom Deutschen Boxsportverband wegen „armseligen Verhaltens“ wieder aberkannt.
Als ein neuer Kampf angesetzt wurde, in dem Rukeli weder tänzeln noch ausweichen durfte, betrat der Zigeuner-Boxer den Ring mit blond gefärbten Haaren und weiß bestäubter Haut. Fünf Runden nahm er die Schläge des anderen Boxers deckungslos hin, bis er schließlich k.o. ging.
Er verlor seine Boxlizenz und wurde 1942 in ein Konzentrationslager gebracht, wo sich die SS-Soldaten damit vergnügten, den ehemaligen Boxer nach Belieben zusammenzuschlagen. 1944 wurde er in einem Außenlager ermordet.
Aus der Perspektive von Rukelis langjährigen Gefährten Hans beobachtet der Zuschauer, wie sich die Geschichte immer weiter zuspitzt.
Und irgendwann will dieser Hans dann vergessen. Eigentlich schon ab der ersten Begegnung mit dem Zigeuner-Boxer.
Aber Hans kann nicht vergessen; er selbst ist die Erinnerung.

Zigeunerboxer

Zigeuner-Boxer

von Rike Reiniger

Hans kann nicht vergessen. Nicht, wie er Ruki kennenlernte, wie er ihn in der Turnhalle des Boxclubs wieder traf und wie sie Freunde wurden. Und erst recht kann Hans nicht vergessen, wie Ruki sich im Ring bewegte, leichtfüßig-tänzelnd, schneller als alle anderen. Einfach löschen will Hans die Erinnerung an den Sommer, in dem die Nationalsozialisten dem »Zigeuner-Boxer« den Meistertitel nahmen, weil er »undeutsch« gekämpft hatte und erst recht loswerden will er die Bilder vom Wiedertreffen mit Ruki im Arbeitslager. Die Erinnerung ist ein Raubtier, eine Würgeschlange. Doch Hans kann sie nicht loswerden. Er selbst ist die Erinnerung.

Rike Reiniger berichtet frei nach der Lebensgeschichte des Boxers
Johann »Rukeli« Trollmann von Unrecht und Schuld sowie Zivilcourage und Mut.

 

Die Regie führt Emrah Elciboga, der in Istanbul geboren und aufgewachsen ist. Er studierte Schauspiel an der Akademie Istanbul und hat in zahlreichen Fernsehserien und Filmen mitgewirkt. Seit 2016 lebt er in Ravensburg. Am Theater Ravensburg ist er bereits durch die Regiearbeit mit dem Stück (A)Rhythmische Welt bekannt.

 

Mit: Alex Niess | Regie: Emrah Elciboga | Assistenz: Hannah Welzel
Übersetzung, Kooperation: Zeynep Ela Elciboga | Musik: Hakan Savkli | Technik: Didi Sterk | Bühnenbild mit Unterstützung von Sinti-Jugendlichen